Für Pharmaunternehmen, die in Apotheken und Drogerien präsent sind, eröffnet der 3D‑Druck konkrete Möglichkeiten, promotionale Accessoires und POSM (Point‑of‑Sale‑Material) zu entwickeln oder anzupassen – ohne teure Werkzeuge und hohe Mindestmengen.
Ziel ist nicht, sämtliche klassischen POS‑Lösungen zu ersetzen, sondern gezielt dort anzusetzen, wo 3D‑Druck echten Mehrwert bringt: Flexibilität, Individualisierung, Kleinserien und Geschwindigkeit.
3D‑druckbare Accessoires in Apotheken / Drogerien
Die spannendsten Anwendungsfälle liegen dort, wo besondere Geometrien oder kleine Stückzahlen für die Marke entscheidend sind.
- Regal‑ und HV‑Accessoires
- Preis‑ und Etikettenhalter, die exakt zu bestimmten Regalprofilen passen.
- Aufsätze (Rehaussen), um eine Produktlinie (Vitamine, Dermo, Saisonartikel) hervorzuheben, ohne neue Acrylteile fertigen zu müssen.
- Kleine HV‑Displays für eine einzelne Packung, ein Duo oder ein Trio.
- Informations‑ und Promotionsträger
- Prospekthalter (A5 / Wickelfalz) für Rezepte, Patienteninfos oder Kampagnen‑Leaflets.
- Regalstopper und kleine Tischaufsteller mit Formen, die eine Indikation oder ein Key Visual aufnehmen.
- Sockel mit integriertem QR‑Code (gedruckt oder eingesetzt), der auf Produktseiten, Treueprogramme, edukative Inhalte oder Landingpages führt.
- Organisation und “Backoffice‑Pädagogik”
- Flaschenorganizer, Schubladenteiler, Pillendosen‑Halter, Musterpräsenter.
- Solche Accessoires können als praktische Tools vom Hersteller gestellt werden und unterstützen gleichzeitig die Markenpräsenz.
Materialien: PLA und PETG für POSM im Gesundheitsbereich
In der Praxis decken zwei Materialfamilien den Grossteil der Bedarfe auf Herstellerseite ab.
- PLA (Polymilchsäure / Polylactid)
- Vorteile: sehr gut druckbar, saubere Oberfläche, ideal für temporäre oder dekorative Elemente – etwa Vitrinen, saisonale Aktionen, Konzepttests.
- Einschränkungen: empfindlicher gegenüber Hitze und direkter Sonne, eher für Innenräume und begrenzte Zeiträume geeignet.
- PETG (polyethylenterephthalat glycol‑modifiziert)
- Vorteile: höhere Festigkeit, bessere mechanische Eigenschaften, unempfindlicher gegenüber häufiger Handhabung und Temperaturschwankungen; geeignet für dauerhafte Displays, HV‑Aufsteller und täglich genutzte Accessoires.
- Pluspunkt: gutes Gleichgewicht zwischen Robustheit und Druckbarkeit im Retail‑Umfeld.
Rezyklierte PLA‑ oder PETG‑Varianten ermöglichen es, die Materialwahl mit dem Nachhaltigkeitsanspruch des Unternehmens zu verknüpfen: Rezyklate, Produktion on‑demand statt Überproduktion, weniger POS‑Abfall.
Beispiele und Inspiration aus dem Retail
Im breiten Retail‑Umfeld zeigen verschiedene Projekte, wie 3D‑Druck Ladenbau und POSM unterstützen kann:
- Ladeninnenräume und Fassaden aus recyceltem Kunststoff, im 3D‑Druck gefertigt, mit organischen oder „gletscherähnlichen“ Texturen als visuelles Statement für Nachhaltigkeit.
- Parametrische Schaufensterstrukturen (Korallen‑ oder Zellmuster) aus Recyclingmaterialien, mit denen Premiummarken schon im Eingangsbereich starke Erlebnisse schaffen.
- Säulen, Sockel und organische Module, die sowohl als Bühnenbild als auch als Produktträger dienen, teils aus Biomaterialien (Myzel, Recycling‑Komposite).
Für Pharmahersteller können daraus Ideen entstehen wie:
- 3D‑gedruckte Schaufensterstrukturen (Bögen, Wellen, texturierte Rahmen) für Kampagnenhöhepunkte wie Sonnenschutz, Allergie, Dermo oder Wintersaison.
- Wiederverwendbare Deko‑Elemente (abstrakte Formen, Paneele, neutrale Volumen), die je nach Kampagne neu eingefärbt oder kombiniert werden statt einmaliger Kits.
Zentrale 3D‑Druck‑Trends für POSM im Gesundheitsbereich
Mehrere Trends machen 3D‑Druck für Retail‑Aktivierungen von Pharmaunternehmen zunehmend interessant.
- Kleinserien und schnelle Tests
Kampagnen werden kürzer, Werkzeugbudgets enger. 3D‑Druck erlaubt es, neue Trägerkonzepte zunächst in einem Apotheken‑/Drogerie‑Sample zu testen, bevor grösser investiert wird. - Lokale Anpassung
Leichte Variation von Formen, Sprachen, Botschaften oder Farben je nach Land, Region oder POS‑Typ – bei gleichbleibender Designbasis. - Einfache digitale Integration
3D‑gedruckte Teile können sehr leicht Zielflächen für QR, NFC oder kleine Lichtelemente integrieren und so simple „phygitale“ Journeys ermöglichen. - Verteilte Produktion
Designs lassen sich durch POSM‑Partner, 3D‑Druck‑Hubs oder lokale Dienstleister fertigen, was Vorlaufzeiten verkürzt und späte Anpassungen ermöglicht (zusätzliche Sprache, aktualisierte Botschaft usw.).
Wie Pharmaunternehmen ihre 3D‑Druck‑Initiative strukturieren können
Um die Frage „Welche Accessoires, welche Materialien, welche Trends, was tun mit 3D‑Druck?“ praxisnah zu beantworten, hilft ein klarer Fahrplan.
- 1. 3–4 prioritäre POSM‑Familien definieren
Zum Beispiel: Regal‑Accessoires, HV‑Displays, Schaufenster‑Elemente und Backoffice‑Organisation. So konzentriert sich der Aufwand auf wenige, wirkungsstarke Einsatzfelder. - 2. Ein einfaches Material‑Duo festlegen
- PLA (Polymilchsäure / Polylactid) für temporäre, testweise und dekorative Elemente.
- PETG (polyethylenterephthalat glycol‑modifiziert) für langlebige, häufig genutzte Teile.
- 3. Auf einer zuverlässigen Desktop‑Maschine prototypisieren
Druckfähigkeiten (Präzision, Mehrfarbigkeit) nutzen, um Markenfarben und Logos bereits in den Prototypen zu integrieren, sodass der Look & Feel dem finalen POSM möglichst nahe kommt. - 4. In einem ausgewählten POS‑Panel testen
Diese 3D‑POSM in einem Sample von Apotheken / Drogerien einsetzen und strukturiertes Feedback einholen (Montage, Lesbarkeit, Stabilität, Wahrnehmung im Team). - 5. Erfolgreiche Konzepte standardisieren
Bestätigte Designs werden Teil des POSM‑Katalogs des Unternehmens und entweder weiterhin per 3D‑Druck produziert oder – bei entsprechendem Volumen – in industrielle Lösungen überführt.
Mit einigen klar definierten Accessoire‑Familien, einem Material‑Duo (PLA und PETG) und gezielten Tests am Point of Sale wird 3D‑Druck zu einem konkreten Werkzeug für Trade‑ und Marketing‑Teams: weniger Werkzeugzwang, mehr Flexibilität und eine bessere Anbindung an die Realität im Feld.
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Februar 25, 2026

